Wallfahrtsbericht 2011 von W.Möller
Gottes Geist ist wie der Wind
Ihn erfahrbar machen, dass ist Walldürn - Wallfahrt
Zum 22. Mal nimmt der Engelhelmser Heinrich Schad an der Heilig – Blut – Wallfahrt von Fulda, Baunatal, dem Eichsfeld und Unterfranken in den badischen Wallfahrtsort Walldürn teil. Mit seinen 82 Jahren ist er wohl der älteste Teilnehmer wie die Umfrage in der Kirche in Höpfingen ergeben hat. Natürlich wünscht er sich gesund zu bleiben und in drei Jahren das silberne Wallfahrtsjubiläum feiern zu können.
Heinrich Schad ist einer von 963 Pilgern, die am Mittwoch vor Fronleichnam nach viereinhalb Tagen und fast 160 Kilometern Fußmarsch seit Fulda von Weihbischof Dr. Reinhard Hauke, Erfurt, dem Walldürner Wallfahrtsleiter Pater Josef Bregula, OFM Conv. und Bürgermeister Markus Günther, Walldürn am Stadtrand des badischen Wallfahrtsortes empfangen und in die Heilig – Blut – Basilika begleitet wurden.
Nach dem Kniefall und dem Gebet vor dem Heilig – Blut – Korporale feiert die Wallfahrergemeinde mit dem Weihbischof, den Ortsgeistlichen, den mitgepilgerten Priestern und den angereisten Angehörigen und Freunden die Eucharistie. Bezogen auf das diesjährige Leitwort: „Unser tägliches Brot gib uns heute“ betonte Dr. Reinhard Hauke, dass Hunger nach Nahrung ein lösbares Problem sei. Doch der Hunger nach geistlicher und religiöser Nahrung stelle eine Herausforderung dar. Diese Herausforderung müsse beantwortet werden, besonders auch unter Berücksichtigung der beispielsweisen 70 % konfessionslosen Menschen in Thüringen. So sei die Bitte im Vater unser „Unser tägliches Brot gib uns heute“ auch eine Einladung zum himmlischen Hochzeitsmahl, der Eucharistie. Es sei eine ständige Aufgabe, sich das Geheimnis der Eucharistie begreifbar zu machen. Die Jünger hätten Jesus gebeten „Herr lehre uns beten“. In heutiger Zeit kämen junge Paare in Erfurt in die Kirche und würden um den Segen bitten, obwohl sie ungetauft seien. Beispiel zu geben, sich intensiv um das bessere Verständnis der Eucharistie zu bemühen, dabei helfe das tiefe Vertrauen, dass der himmlische Vater für uns sorge. Weihbischof Dr. Reinhard Hauke wünschte den Wallfahrern, dass durch die Wallfahrt in ihnen die Freude wachse in der Erfahrung der Eucharistie und im Leben im Alltag.
In diesem Jahr hatten es die Fahnen- und Lautsprecherträger schwer, mussten sie doch desöfteren gegen den starken Wind anhalten oder bekamen nicht rechtzeitig ihren Regenumhang zu fassen. Trotzdem sei es eine sehr harmonische Wallfahrt gewesen, so Wallfahrtsleiter Gerhard Dehler, Lehnerz, der auch die hohe Disziplin lobte. In den ersten beiden Tagen müssen die Pilger gerade bei regnerischem Wetter mehrfach die Bundesstraße 27 nutzen. Er sei dankbar, dass vor allem im hessischen Teil die Polizei die Verkehrsicherung mit übernommen habe. Ansonsten obliege diese Aufgabe den Sanitätern von Deutschem Roten Kreuz und Malteser Hilfsdienst, die bei dem annähernd 500 Meter langen Menschenzug, neben der Wundversorgung auch die Verkehrsregelung sicher stellen müssten.
Vor allem die Neupilger sind erstaunt mit welcher Gastfreundschaft die Wallfahrer in den Rastorten, wie Rothemann, Motten, Speicherz, Volkers, Oberleichtersbach, Geiersnest, Neuwirtshaus, Hammelburg, Gauaschach, Bühler oder Heßlar bewirtet werden oder eine Unterkunft bekommen. Auffallend war auch die große Zahl junger Pilger, die „ihren Gottesdienst“ auf dem Volkersberg, dem in diesem Jahr Pater Martin Wolf, OMI, Hünfeld vorstand, musikalisch unter Leitung von Tobias Reinhard gestalteten. Überhaupt beginnt jeder Pilgertag mit einer Eucharistiefeier, außer wenn die Prozession bereits um 4 Uhr in der Frühe startet wie in Leinach und Külsheim. Dann wird im nächsten Rastort Gottesdienst gefeiert.
Ein erster Höhepunkt der Walldürnwallfahrt war der Einzug in Retzbach in der Wallfahrtskirche „Maria im Grünen Tal. Nach der Andacht mit eucharistischem Segen, die von der Frauenschola unter Leitung von Klaus Kurpanek musikalisch gestaltet worden war, ehrte Pfarrer Gerold Postler langjährigen Pilger mit dem Retzbacher Pilgerkreuz.
Nach Überschreiten des Mains führte der Wallfahrtsweg über Leinach Greußenheim, Helmstadt, Neubrunn, Gamburg zur letzten Übernachtung in Külsheim. Zwischen Gamburg und Külsheim wurde traditionell in einem steilen Waldstück der Kreuzweg gebetet. Hier mussten die 36 Wallfahrtmusiker unter Leitung von Günter Straub, Waldfenster gut Luft haben, haben sie doch nach jeder Station ein Lied geblasen. Am letzten Tag waren die Wallfahrer zwischen Hardheim und Höpfingen gezwungen auf die stark befahrene Bundesstraße 8 ausweichen und waren froh, dann vor Walldürn einen Wirtschaftsweg nutzen zu können. Meditative Gebete, religiöse Betrachtung oder das Beten der vielen schriftlich eingereichten Fürbitt- und Dankgebete waren in solchen Situationen nicht möglich, so dass das neue Pilgergebet- und –gesangbuch verstärkt zum Einsatz kam oder ein Rosenkranz gebetet wurde.
Bei der letzten Rast in Höpfingen legten Wallfahrtsleiter Gerhard Dehler und seine Stellvertreter Winfried Möller und Bernd Heimes ihren Rechenschaftsbericht über die Verwendung des gesammelten Wallfahrtsopfers vor. Die im Wert von 13.000 Euro neu angeschaffte Lautsprecheranlage hatte sich nachweislich bewehrt, was auch der kräftige Beifall der Pilger zeigte.
Fotos: Winfried Möller (wim), Rasdorf



